
Neue Geran-Drohnen unterbrechen strategische Brückenverbindung über Dnjepr

Von Oleg Issaitschenko
In der Nacht auf den 2. Oktober haben Russlands Streitkräfte Infrastrukturobjekte und Häfen in der Ukraine mit Drohnen angegriffen. Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, wurde unter anderem in Kiew die Auto- und Eisenbahnbrücke über den Dnjepr getroffen, die zur Verlegung von Personal und Lieferung von Militärgütern an ukrainische Truppen im Donbass genutzt wird.
Russlands Streitkräfte hatten dieses Infrastrukturobjekt bereits in der Vergangenheit angegriffen. So trafen am Tag zuvor zwei Drohnen die Südbrücke, eine weitere am Abend und noch eine weitere in der Nacht auf den 2. Oktober. Am 1. Oktober meldete Kiews Bürgermeister Witali Klitschko, dass es Explosionen in der Nähe der Brückenpfeiler gegeben habe. Ukrainische Medien berichteten von einem Brand.
Wegen der Angriffe wurde in der ukrainischen Hauptstadt der Verkehr über drei Dnjeprbrücken eingeschränkt: Die Südbrücke und die Paton-Brücke sind für den Verkehr in beide Richtungen gesperrt, die Metrobrücke nur für den Verkehr in Richtung des linken Flussufers. Vor diesem Hintergrund kam es in Kiew zu einem Verkehrskollaps – es entstanden große Staus, und die Kosten für eine Taxifahrt von einem Dnjeprufer zum anderen stiegen auf 2.300 Griwna (umgerechnet knapp 45 Euro) an, meldete das Nachrichtenportal Strana.
Insgesamt gibt es in Kiew neun große Brücken über den Dnjepr, die das rechte und das linke Flussufer verbinden, sowie einige kleinere Übergänge über die Zuflüsse von Dnjepr. Doch wie das Oberhaupt des Desna-Stadtbezirks, Maxim Bachmatow anmerkte, hat die beschädigte Südbrücke eine strategische Bedeutung für die gesamte Ukraine.
Über diese Brücke laufen 90 Prozent des Transits zwischen der linksufrigen und der rechtsufrigen Ukraine. Die Südbrücke verbindet drei Hauptstraßen: M-05 (Kiew – Odessa), M-06 (Kiew–Tschop und weiter zur ungarischen und slowakischen Grenze) sowie M-03 (Kiew–Charkow).

Die Südbrücke ist eine Schrägseilbrücke, die das rechte und das linke Dnjeprufer verbindet und Teil der Syrezko-Petscherskaja-Linie der Kiewer U-Bahn ist. Die Brücke wurde für den Autoverkehr am 25. Dezember 1990 eröffnet, für den U-Bahn-Verkehr am 30. Dezember 1992. Der Hauptbogen der Südbrücke wird von 72 Paar Kabeln festgehalten, die aus gewundenen Seilen von 62 Millimeter Durchmesser aus verzinktem Draht angefertigt sind.
Der ehemalige Rada-Abgeordnete Oleg Zarjow bezeichnete die Brücke als ein "einzigartiges Erbe der UdSSR". Auf seinem Telegram-Kanal schrieb er:
"Sie wurde von 1983 bis 1990 gebaut. Es war die erste Schrägseilbrücke in der Sowjetunion, die von U-Bahnzügen befahren wurde. An der Spitze des Pylons sollte wie in Bratislava ein Restaurant gebaut werden, doch die Infrastruktur reichte dafür nicht aus.
Der 133 Meter hohe Pylon hält eine Fahrbahn von 271 Metern länge fest. Die Fahrbahn stützt sich nicht auf Pfeiler, sondern hängt an Seilen, und sollte ein Seil reißen, würden andere die Last übernehmen. Die Seile sind das festeste Teil der Brücke, deswegen ist es schwer, sie mit Geran-Drohnen zum Einsturz zu bringen. Gerade das sagt die ukrainische Regierung: Ein oder zwei Treffer sind nicht kritisch."
Zarjow erinnerte daran, dass die Antonow-Brücke bei Cherson mehrmals von HIMARS-Mehrfachraketenwerfern angegriffen wurde, allerdings sei es nicht gelungen, die Konstruktion vollständig zu zerstören. Freilich verfüge die Südbrücke in Kiew über eine Schwachstelle:
"Unter dem Asphalt liegt eine dünne Stahlplatte, die in den 1980er-Jahren für Lkw von fünf bis sieben Tonnen Gewicht ausgelegt wurde. Heute wird sie von Wagen von 40 bis 60 Tonnen befahren. Die Brücke wurde für ein Verkehrsaufkommen von 20.000 Wagen täglich entwickelt, doch vor dem Konflikt fuhren fünfmal mehr Autos über sie. Nach einer Reparatur erwies sich, dass die Wasserabdichtung zu Staub wurde: Die Brücke hat sie durch eigene Schwingungen zerrieben. Offiziell ist die Brücke 'eingeschränkt betriebsfähig'."
Der Militärexperte Juri Knutow erinnerte seinerseits daran, dass die Südbrücke als die größte in Kiew und als eine der größten Dnjeprbrücken in der Ukraine gilt: Über sie läuft rund 90 Prozent des Verkehrs. Die Brückenpfeiler sind laut dem Analytiker sehr massiv und durch eine herkömmliche Bombe nicht leicht zu zerstören. Deswegen vermutete er, dass die Seile zum Ziel des Angriffs wurden.
Von einer neuen Herangehensweise beim Angriff auf ein solches Ziel spricht auch der Politologe und Wirtschaftsexperte Iwan Lisan. Er bringt die Änderung der Taktik mit dem Erscheinen von Geran-Drohnen in Verbindung, die in der Lage sind, Metallkonstruktionen zu "schneiden". Als Beispiel führte der Experte die Lage im Umland des Kiewer Wärmekraftwerks Nr. 5 an: Dort wurden mithilfe von Drohnen die Spitzen von Strommasten abgeschnitten, die Spannungen von 330 Kilovolt übertragen hatten. Der Wiederaufbau solcher Strommasten sei ein arbeitsaufwendiger und langwieriger Prozess, so der Experte. Inzwischen werde versucht, mithilfe dieser Geran-Drohnen die Seile der Südbrücke in Kiew "durchzuschneiden".
Die Konstruktion stützt sich auf zwei Pfeiler, und die Schlüsselrolle spielt dabei tatsächlich der Pylon, der die Hauptlast verteilt. Sollte das Fundament von einem der Pfeiler zerstört werden, würde das Gleichgewicht der Konstruktion gestört – das Massenzentrum würde sich seitwärts bewegen und die Brücke sich zur Seite neigen. Das würde ein Zerreißen der Seile und einen Zusammensturz aller Brückenbögen herbeiführen, erklärt Alexei Wassiljew, Autor des Telegram-Kanals Russki Inschener ("Der russische Ingenieur"), die wahrscheinliche Idee der Zerstörungsmechanik. Der Experte schrieb:
"Doch weil das Fundament von diesem Pfeiler sehr massiv und fest ist und es anscheinend noch keine durchschlagenden Tandem-Sprengköpfe gibt, hat das Kommando wohl beschlossen, herkömmliche Geran-Seeker-Drohnen einzusetzen, die wie eine große FPV-Drohne gesteuert werden können, was für die notwendige Präzision sorgt."
Wassiljew vermutete, dass der Sprengkopf der Drohnen mit einer Hohlladung ausgestattet war, die die Stahlbetonkonstruktion und die Armatur an der Einschlagsstelle durch den kumulativen Strahl zerstört. Laut Wassiljew könnten sieben bis zehn präzise Treffer bis zur Hälfte der Stütze zerstören. Danach wird die Brücke durch die eigene Masse weiter zerstört – sobald die Kompression ein kritisches Niveau erreicht, beginnt der Einsturz.
Eine etwas andere Ansicht vertritt Lisan. Der Analytiker erklärt:
"Bei Schrägseilbrücken haben die Seile eine kritische Bedeutung. Ihre Beschädigung kann das Objekt außer Betrieb setzen. Dabei muss es nicht zum vollständigen Einsturz kommen – die Verkehrseinschränkungen werden mit dem Verlust der Tragefähigkeit zusammenhängen. Die Brücke wird zum Passieren von Fahrzeugen von bestimmter Belastung ungeeignet."
Vor diesem Hintergrund wies Knutow darauf hin, dass der erste Versuch, eine der Seile mithilfe der Geran-Drohnen "durchzuschneiden" anscheinend nicht ganz erfolgreich war:
"Soweit ich verstehe, traf die Drohne den Pylon, an dem die Seile befestigt sind. Dennoch wurde ein Teil der Fahrbahn beschädigt, was den Verkehr erschwerte. Der zweite Angriff richtete sich anscheinend gegen ein Seil, um das Objekt betriebsunfähig zu machen, doch genaue Angaben über die Ergebnisse gibt es bisher nicht."
Knutow betont ebenfalls: Solche Angriffe werden nicht zu einem Einsturz der Brücke führen, doch sie wird nicht mehr diejenige Last tragen können, die sie jetzt trägt. Darüber hinaus hält es der Analytiker für möglich, dass Spezialisten versuchen werden, die Seile zu reparieren. Allerdings ist das kein schneller Prozess: Nimmt die Reparatur der Fahrbahn einen Tag in Anspruch, so müssen die Seile je nach Verfügbarkeit der benötigten Materialien mindestens eine Woche lang repariert werden. Dabei werde Russland die Möglichkeit behalten, das Objekt weiter anzugreifen:
"Der Gegner wird die Seile reparieren, und wir werden sie wieder zerstören. Sollten wir diese Technologie ausarbeiten, werden wir die Südbrücke faktisch in einem betriebsunfähigen Zustand halten, ohne die Pfeiler zu zerstören."
Dies könnte die Verbindung zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil Kiews beeinträchtigen und zu ernsthaften Problemen bei der ukrainischen Armee führen. Knutow führte aus:
"Traditionellerweise wurde ein Teil der Militärgüter aus der Westukraine über Kiew transportiert, weil die Stadt als einer der bestgeschützten Knotenpunkte galt. Von hier aus liefen die logistischen Routen in andere Städte. Eine Fortsetzung der Angriffe wird die Lage der ukrainischen Armee im Donbass unweigerlich erschweren."
Freilich ist die Südbrücke nicht die einzige in der Gegend, ruft Lisan in Erinnerung. Insbesondere erwähnte er die Paton-Brücke:
"Sie steht mit einem Fuß im Grab und wäre in einem Land mit funktionierender Infrastruktur wahrscheinlich bereits für den Verkehr gesperrt worden. Dennoch ist es durchaus möglich, selbst in Anwesenheit alternativer Überquerungen Probleme für das Verkehrsnetz zu schaffen. Alles wird davon abhängen, welche politische Entscheidung Moskau trifft."
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 2. Oktober.
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