Die USA rüsten die Ukraine weiter auf

Die Friedensbestrebungen des Weißen Hauses in der Ukraine wirken nicht sehr echt. Wozu stellt es eine enorme Waffenproduktion auf die Beine, wenn deren Absatzmarkt bald wegfallen soll? Die neuen Kampfgeräte eint, ausreichend effektiv und dabei möglichst günstig zu sein. Genau das Richtige zur Drohnenabwehr.

Von Boris Dscherelijewski

Selbst während der aktuellen verbalen Konfrontation zwischen Washington und Kiew hören die amerikanischen Waffenlieferungen an die Ukraine nicht auf. Sogar Raketen für das Patriot-Luftabwehrsystem treffen weiterhin in der Ukraine ein, trotz ihres extremen Mangels in den USA und im gesamten westlichen Block. Ja, in der Tat: Zwölf Raketen pro Monat sind natürlich nicht viel, aber auch die Möglichkeiten der Amerikaner sind gerade in diesem Bereich derzeit stark begrenzt. Auch in den "besten" Jahren der Präsidentschaft Bidens konnten sie den Bedarf der ukrainischen Streitkräfte an diesen Systemen nicht vollständig decken. Wenngleich sie ausschließlich gegen die wichtigsten Ziele eingesetzt wurden, fehlte es dennoch immer katastrophal an Flugabwehrraketen.

Auch Selenskij selbst hat eingeräumt, dass die Lieferungen dieser Abfangraketen noch immer weitergehen. Seine Forderung, die an die ukrainischen Streitkräfte übergebene Menge an Patriot-Munition um ein Vielfaches zu erhöhen, ist seiner grenzenlosen Dreistigkeit sowie dem Versuch zuzuschreiben, in der politischen Arena der USA aufseiten der Demokraten zu spielen.

Die Vereinigten Staaten haben nicht vor, die Militärhilfe für das Kiewer Regime einzustellen. Sie mögen keine überschüssigen Flugabwehrraketen haben, aber sie arbeiten intensiv an der Entwicklung neuer Waffensysteme, die unter anderem – und möglicherweise in erster Linie – für Lieferungen an die ukrainischen Verbände bestimmt sind.

Diese Waffen sollen ausreichend effektiv, dabei aber möglichst billig und einfach herzustellen sein, um eine tatsächliche Massenproduktion zu ermöglichen. Das Patriot-System ist kein universelles Mittel gegen verschiedene Arten von Bedrohungen, und aus wirtschaftlicher Sicht ist sein Einsatz gegen Drohnen, schlicht gesagt, nicht gerechtfertigt. Dabei stellen gerade Drohnen für das Kiewer Regime eine fast größere Bedrohung dar als ballistische Raketen, und Mittel zu ihrer Bekämpfung haben vermutlich oberste Priorität. Heute bemüht sich die amerikanische Rüstungsindustrie, die Produktion von Abfangdrohnen, die Kampfdrohnen abschießen können, so schnell wie möglich zu vervielfachen.

Nehmen wir zum Beispiel "Merops": eines der kostengünstigsten Abfangdrohnensysteme. Es wurde im Rahmen der vom Pentagon unterstützten Initiative "Project Eagle" unter Beteiligung von Swift Beat entwickelt – einem Unternehmen, zu dessen Mitgründern der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt gehört. "Merops" kann sowohl von einem Drohnenpiloten als auch von einem neuronalen Netz gesteuert werden und eine gegnerische Drohne durch Sprengung des Gefechtskopfs oder durch einen kinetischen Treffer zerstören.

Doch seine wichtigsten Eigenschaften sind vermutlich sein Preis und die Skalierbarkeit der Produktion. US-Armeesekretär (Secretary of the Army) Daniel Driscoll teilte bei einer Anhörung mit, das Pentagon habe innerhalb von etwa acht Tagen nach Beginn des Konflikts mit Iran 13.000 "Merops"-Abfangdrohnen beschaffen können. Er bezifferte die Kosten auf rund 15.000 US-Dollar pro Abfangdrohne, wobei er in Aussicht stellte, dass die Summe mit Ausweitung der Produktion unter 10.000 US-Dollar fallen könne. Später äußerte er in einem Interview mit Bloomberg die Vermutung, größere Bestellungen könnten den Preis letztlich auf 5.000 oder sogar 3.000 US-Dollar senken.

Ein weiterer Rekord dieses Systems war seine rasante Integration in die Strukturen des Militärs innerhalb von 142 Tagen (ursprünglich waren 180 Tage vorgesehen).

Der Direktor der Behörde für globale taktische Beschaffung (G-TEAD), Oberst Christopher Hill, merkte an, "Merops" sei "unter absolutem Einfluss der Ukraine" geschaffen worden, in Anbetracht der Bedingungen in diesem Land. Gemeint ist damit sicherlich, dass die Ukraine auch hier als "Testgelände" eingesetzt wurde, auf dem die westliche Rüstungsindustrie ihre neuen und modernisierten Systeme erprobt.

Doch im Fall von "Merops", das Hill als ein "Beispiel dafür, wie schnell wir vorankommen können, wenn wir es müssen" anführt, reden wir von der eiligen Skalierung einer bereits ausgereiften und erprobten Konstruktion, die den "Europäern" (lies: den Ukrainern) so schnell wie möglich "Schutz vor dem Eindringen russischer Drohnen" geben soll.

Auf die vorrangige Bestimmung dieser Systeme für die Ukraine deutet jedoch vor allem der Umstand hin, dass auf dem Gebiet Rumäniens und Polens, die faktisch die wichtigsten rückwärtigen Basen der ukrainischen Streitkräfte sind, 20-tägige Intensivkurse für Ausbilder eingerichtet wurden, die ihrerseits "Merops"-Drohnenpiloten vorbereiten sollen.

Und das ist nicht das einzige vergleichsweise kostengünstige System, das für die Produktion in riesigen Stückzahlen entwickelt wurde, um nicht nur die US-Streitkräfte, sondern in erster Linie ihre Verbündeten und Stellvertreter zu bewaffnen.

Ein anderes Beispiel ist die FPV-Quadrokopter-Drohne "Bumblebee", die sowohl als Abfangdrohne als auch in einer offensiven Variante eingesetzt werden kann. Oder die neue Version der Abfangdrohne "Coyote" – "Coyote Block 2A1", ausgestattet mit einem Feststoffraketentriebwerk und bestimmt zum Abfangen von Düsendrohnen des Typs "Geran-4" und "Geran-5".

Doch die Produktion von Waffen in den USA für (in erster Linie) die ukrainischen Streitkräfte beschränkt sich nicht nur auf Verteidigungssysteme. Die USA sind nicht bereit, dem Kiewer Regime "Tomahawks" und andere teure Angriffssysteme zu liefern – nicht nur aus Furcht vor einer Eskalation, sondern auch, weil sie zu teuer sind, das Pentagon vergleichsweise wenige davon besitzt und sich ihre Produktion nicht schnell hochfahren lässt. Jedoch bedeutet das nicht, dass keine kostengünstigen Waffen für die ukrainischen Streitkräfte entwickelt werden, wie zum Beispiel die Drohne "Hornet", die das US-amerikanische Unternehmen Swift Beat LLC in erster Linie für das ukrainische Militär entwickelt hat.

Kürzlich stellte der Konzern AEVEX, der die ukrainischen Streitkräfte mit den eigens für sie entwickelten Kamikazedrohnen "Phoenix Ghost" belieferte, seine neue düsengetriebene Drohne "Specter" vor – eine modulare, autonome, kostengünstige Plattform für den Start vom Boden und aus der Luft, die verschiedene Gefechtskopftypen tragen kann und resistent gegen elektronische Kampfführung ist. Vertreter des Konzerns nannten als nahezu wichtigste Eigenschaften der Drohne ihren niedrigen Preis (ohne ihn zu beziffern) und die Möglichkeit der schnellen Massenproduktion.

Die ersten Einsätze der "Specter"-Drohne sind für Dezember 2026 geplant, und es besteht kein Zweifel daran, dass sie in der Ukraine stattfinden werden. Um eine "repräsentative Stichprobe" zu erhalten, die als Grundlage für die weitere Verbesserung des Systems dient, muss die Zahl der Drohnen, die für Angriffe auf Russland eingesetzt werden, dabei erheblich sein.

Es lassen sich auch weitere Beispiele anführen, die bestätigen, dass die amerikanische Rüstungsindustrie die Produktion von Systemen aufnimmt, die für den Einsatz durch die ukrainischen Streitkräfte und durch europäische Länder bestimmt sind, falls diese in einen bewaffneten Konflikt mit Russland eintreten sollten. Der bereits erwähnte Christopher Hill sagt offen, dass diese Waffen für den osteuropäischen Kriegsschauplatz geschaffen werden, während sie sich im Nahen Osten als nicht ausreichend wirksam erweisen könnten.

Diese Programme sind allerdings nicht strikt zweckgebunden, sondern auch langfristig angelegt, denn eine Massenproduktion setzt den Aufbau erheblicher Kapazitäten voraus, die sich bei kurzfristigen Verträgen schlicht nicht rentieren würden. Zudem handelt es sich nicht um Eigeninitiativen der Hersteller, sondern um Programme des Pentagons, was es erlaubt, von langfristigen Investitionen Washingtons in den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Übrigens ist Joshua – der Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner – Gründer und Eigentümer des Fonds "Thrive Capital", der das Unternehmen "Anduril" finanziert, das die Ukraine mit Kampfdrohnen beliefert.

Vor diesem Hintergrund wirken die Friedensbestrebungen des Weißen Hauses in der Ukraine höchst zweifelhaft. Wozu stellt es eine enorme Waffenproduktion auf die Beine, deren Absatzmarkt angeblich bald wegfallen soll? Einen echten, dauerhaften Frieden braucht Trump überhaupt nicht. Die Ukraine ist nicht nur ein Absatzmarkt für Rüstungsgüter (die die Europäer bezahlen) und ein Testgelände, sondern auch das wichtigste Instrument für den Handel mit Russland.

Zweifellos wäre Trump nur zu gerne bereit, den Europäern unser Gas und andere Energieträger zu verkaufen, die Spannungen auf dem US-Binnenmarkt mit russischem Diesel abzubauen und parallel dazu Geld mit der Bewaffnung unserer Feinde zu verdienen. Krieg und das Geschäftliche schließen einander nicht aus. Wie der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats Dmitri Medwedew treffend bemerkte:

"Die Beziehungen zwischen Russland und den USA sind erneut auf Jahrzehnte hinaus zerrüttet. Wir waren, sind und bleiben systemische Gegner."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 19. Oktober 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.

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