Angesichts des Mangels an Abfangraketen habe Kiew eine neue Kampagne gestartet und westliche Partner um Ausrüstung und finanzielle Hilfe für die Luftverteidigung gebeten, schreibt Politico. Das Thema sei in dieser Woche bei einem informellen Treffen der EU-Verteidigungsminister und bei einem Sondertreffen der NATO-Botschafte erörtert worden, es folgten jedoch keine konkreten neuen Vorschläge für die Lieferung von benötigten Waffen.
Die Ukraine sei zunehmend verärgert über die Verringerung der Lieferungen kritischer Waffen. "Wir sind unseren Partnern dankbar", sagte ein hochrangiger ukrainischer Regierungsbeamter in einem Gespräch mit Politico. "Aber es ist eine endlose, frustrierende Geschichte, wenn man um jede einzelne Einheit betteln muss", beschwerte er sich.
Die Bestände an Patriot-Raketen in der Ukraine seien praktisch aufgebraucht, so der Beamte weiter. Im Rahmen des PURL-Programms der NATO erwerben Kiews Verbündete wichtige US-Waffen. Dieses Beschaffungsmechanismus sei die "einzige verlässliche Quelle" für Patriot-Raketen, sagte er.
Die ukrainische Flugabwehr erhalte jedoch nur etwa "10 bis 20 Raketen pro Monat", erklärte der ukrainische Militärexperte Dmitri Schmailo gegenüber Politico. Dies reiche nicht aus, um den Bedarf Kiews zu decken.
Trotz der Bemühungen der Ukraine, zusätzliche Gelder für die Rüstungsbeschaffung zu gewinnen, herrsche weltweit ein Engpass bei Abfangraketen. Grund dafür sei der aktive Einsatz dieser Waffen durch die USA im Konflikt mit Iran. Nun versuche Washington, seine eigenen Bestände wieder aufzufüllen, merkte Politico an. Solche Länder wie Griechenland, Spanien, Japan und Südkorea, die über Bestände an PAC-2- und PAC-3-Abfangraketen für US-Patriot-Systeme verfügten, weigerten sich, diese an Kiew zu übergeben.
Im Politico-Beitrag wird weiter angemerkt, dass Griechenland und Spanien in dieser Woche unter Druck geraten seien, Raketen an Kiew zu liefern. Mehrere Länder hätten das Thema am Dienstag informell am Rande eines Treffens der EU-Verteidigungsminister in Irland zur Sprache gebracht, wie zwei EU-Diplomaten mitteilten. Die Seiten hätten jedoch keine Einigung über neue Waffenzusagen erzielt.
Auch bei der NATO werde intensiv Lobbyarbeit betrieben, sagte ein Diplomat des Bündnisses gegenüber Politico. Während einer nicht-öffentlichen Sitzung am Mittwoch habe NATO-Generalsekretär Mark Rutte die Verbündeten dazu aufgerufen, die Militärhilfe für die Ukraine fortzusetzen.
Seit dem Frühjahr beklagt die Ukraine einen kritischen Mangel an Raketen für Patriots. Im April räumte der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij in einem Interview für das ZDF ein, dass der Konflikt im Nahen Osten negative Auswirkungen auf die Lage in der Ukraine habe. "Wenn der Krieg länger dauert, wird es weniger Waffen für die Ukraine geben", sagte er. "Wir haben so ein Defizit gerade, schlimmer geht es nicht mehr", fügte er mit Blick auf das Patriot-Luftawehrsystem hinzu.
Ende Mai kündigte Selenskij an, er habe die US-Regierung um eine Lizenz für die Produktion dieser Raketen durch Kiew gebeten. Auf Telegram schrieb er, dass die Vereinigten Staaten nicht genügend produzierten. "Ich habe die vorherige US-Regierung gebeten und bitte auch die jetzige Regierung, der Ukraine Lizenzen zur Produktion von Patriot-Raketen zu erteilen", so Selenskij.
Anfang Juli gab US-Präsident Donald Trump während eines Treffens mit Selenskij am Rande des NATO-Gipfels in Ankara bekannt, dass die USA der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Raketen für das Patriot-Luftverteidigungssystem erteilen würden. Einige Wochen später wurde jedoch klar, dass Trump von seinem Versprechen abgerückt ist. Ende Juli warnte der US-Präsident, dass es sich bei der Lizenzerteilung um die Weitergabe der Raketentechnik handele. "Es ist schwierig, eine derartige Technologie aus der Hand zu geben … Die Leute, denen man diese Technologie gibt, können sich eines Tages gegen einen wenden", betonte er.
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